- The Myeloma Beacon - https://myelomabeacon.org -

IMW 2011 Multiples Myelom Update – Tag 2

By: The Myeloma Beacon Staff; Published: May 5, 2011 @ 6:17 pm | Comments Disabled

Dies ist ein Bericht vom zweiten Tag des Internationalen Myeloma Workshops (IMW) in Paris. Der Tag war von morgens bis abends voll mit Vorträgen und schloss mit einer Postersitzung.

Einige der Höhepunkte vom zweiten Tag der Konferenz werden in diesem Artikel zusammengefasst.

Die Behandlung jüngerer, neu diagnostizierter Myelompatienten

Der erste Vortrag am Morgen beschäftigte sich mit der Behandlung neu diagnostizierter Patienten bis zum Alter von 65 Jahren.

Als Erster sprach Dr. Michele Cavo von der Universität Bologna über die mit der Behandlung dieser Patienten verbundenen Kernfragen: Welches ist die beste Induktionstherapie vor der Stammzelltransplantation? Welches ist die beste Konsolidierungstherapie? Welche Erhaltungstherapie ist - wenn sie überhaupt gegeben wird  - am besten?

Um das gegenwärtige Verständnis dieser Themen darzustellen, präsentierte Dr.Cavo zunächst Ergebnisse von mehreren Studien.

Bezüglich der Induktionstherapie haben Studien gezeigt, dass eine Kombination von Velcade (Bortezomib) mit Dexamethason plus ein oder zwei anderer Substanzen wahrscheinlich die höchste Ansprechrate erreichen. (Mehrere Sprecher bemerkten im weiteren Verlauf der Sitzung, dass die Kombination von Revlimid (Lenalidomid) mit Velcade und Dexamethason als Induktionstherapie ebenfalls häufig angewendet wird.)

Die Daten für die Konsolidierungstherapie sind weniger schlüssig als die für die Induktionstherapie. Jedoch gibt es eine gute Datenlage, die Velcade mit Thalidomid plus Dexamethason unterstützt.

Für die Erhaltungstherapie zeigen mehrere noch laufende Studien, dass die Revlimid-Erhaltungstherapie einen bedeutenden Vorteil hat.

Im weiteren Verlauf der Sitzung diskutierten Sprecher aus vielen verschiedenen Ländern, was Forscher in ihren Ländern als Kernprobleme bei der Behandlung jüngerer, neu diagnostizierter Myelompatienten sehen und welche Studien geplant sind oder kürzlich begonnen haben, um Licht auf die offenen, mit der Behandlung dieser Patientengruppe verbundenen Schlüsselfragen zu werfen.

Die Vortragenden sprachen den zunehmenden Zweifel über den Stellenwert der Stammzelltransplantation an: Sind Transplantationen angesichts der Wirkung der neuen Myelommedikamente immer noch notwendig? Was ist der beste Zeitpunkt für eine Transplantation? Sollten Patienten ein oder zwei Transplantationen erhalten? Diese wichtigen Fragen werden derzeit in mehreren neuen oder kürzlich begonnenen Studien untersucht.

Ein anderes, während dieser Sitzung besprochenes Thema ist die Notwendigkeit, die Myelombehandlung zu personifizieren. Dies bedeutet, eine Behandlung danach auszurichten, ob ein Patient ein niedriges Risiko oder ein hohes Risiko der Krankheitsprogression trägt (siehe ähnliche Beacon News von Dr. Vincent Rajkumar von der Mayo Klinik). Die meisten laufenden, während der Sitzung beschriebenen, klinischen Studien verwenden mehrere Analysemethoden, um die Studienteilnehmer zu kategorisieren, so dass ausführliche Analysen durchgeführt werden können, welcher Patiententyp am besten auf die Behandlungen in der Studie anspricht.

Schließlich forderte Dr. Bart Barlogie von der Universität Arkansas für die Medizinische Wissenschaft seine Kollegen auf, zur Bestimmung einer kompletten Remission neue Bildgebungsmethoden (CT/MRT) zu verwenden. Er sagte, dass sogar Patienten, die eine komplette Remission erreichen, Myelomzellen in Läsionen innerhalb ihrer Knochen haben können. Er empfahl, dass diese Patienten weiter behandelt werden sollten, mit dem Ziel, die verbleibenden Myelomzellen in diesen Läsionen abzutöten.

Die Fortführung der Therapie für Myelompatienten

Die zweite Sitzung des Tages wurde von Celgene, dem Hersteller von Thalidomid und Revlimid, gesponsort.

Dr. Sergio Giralt von Memorial Sloan Kettering Hospital in New York diskutierte die Beweislage zur Fortsetzung der Therapie nach einer Induktionstherapie.

Er erklärte, dass eine längere Therapie helfen kann, Myelomzellen zu beseitigen, die die anfängliche Therapie überleben. Das hält die Patienten länger in Remission, was auch ,zu einer Minimierung der Organschäden führt.

Natürlich vergrößert eine längere Therapie auch die Gefahr und Dauer von Nebenwirkungen. Es ist ebenfalls möglich, dass Myelomzellen, die weiterleben, Mutationen haben können, die sie widerstandsfähiger gegen zukünftige Behandlungen machen. Längere Therapie ist auch mit höhere Kosten für die Patienten und das Gesundheitssystem verbunden.

Trotz der potenziellen Nachteile glaubt Dr. Giralt, dass eine zusätzliche Therapie vorteilhaft ist.

Der anschließende Vortrag während dieser Sitzung wurde von Dr. Kenneth Anderson vom  Dana-Farber Cancer Institut in Boston gehalten. Er sprach hauptsächlich über neue, in der Entwicklung befindliche Myelommedikamente.

Er besprach Elotuzumab, welches wahrscheinlich in Kombination mit Revlimid und Dexamethason verwendet wird. Er erwähnte auch Perifosin, das wahrscheinlich in Kombination mit Velcade verwendet wird. Ebenso werden Panobinostat und Zolinza (Vorinostat) wahrscheinlich in Kombination mit Velcade oder Carfilzomib verwendet (wenn Carfilzomib von der FDA, der amerikanischen Bundesbehörde zur Überwachung von Nahrungs- und Arzneimitteln, genehmigt wird).

Carfilzomib und Pomalidomid scheinen andererseits genug Antimyelomaktivität zu haben, um eigenständig (in der Kombination mit Dexamethason) oder zusammen mit einer der neuen Substanzen und Dexamethason verwendet werden zu können.

Dr. Anderson hatte auch über diese Substanzen in einem Interview mit Myeloma Beacon gesprochen (siehe verwandte Nachrichten von Myeloma Beacon in Englisch).

Hochrisiko-Myelom

Der Nachmittag startete mit einer Sitzung, die sich auf die Biologie und Behandlung von risikoreichen Myelomen konzentrierte.

Während des ersten Vortrages sprach Dr. Leif Bergsagel von der Mayo Klinik in Arizona ausführlich über die chromosomale Abnormität t(4;14), bei der ein Teil des Chromosoms 4 zum Chromosom 14 übertragen wird. Man glaubt, dass diese Abnormität mit einem schlechten Überleben verbunden ist. Während seines Vortrages besprach Dr. Bergsagel auch einige faszinierende Laborergebnisse, die zeigen, dass die Behandlung des Myeloms mit niedrigeren als optimalen Medikamentendosierungen zu einem schnellerem Wiederauftreten der Erkrankung und kürzeren Überlebenszeiten führen kann.

In einer späteren Präsentation während der Sitzung besprach Dr. Morgan vom Royal Marsden Krankenhaus, Großbritannien ebenfalls die t(4;14) Abnormität. Seine Forschungsergebnisse zeigen jedoch, dass die Abnormität für die Prognose eines Patienten nicht so negativ wie bisher angenommen sein muss. Es sieht stattdessen so aus, als ob Patienten mit einer t(4;14) Abnormität deshalb häufig eine schlechte Prognose haben, weil sie gewöhnlich zusätzliche chromosomale Abnormitäten haben.

Dr. Keith Stewart, ebenfalls von der Mayo Klinik in Arizona, sprach über seinen Behandlungsansatz für risikoreiche Patienten. Er glaubt, dass es am besten ist, risikoreiche Patienten mit einer Medikamentenkombination zu behandeln. Da risikoreiche Patienten wahrscheinlich eine relativ instabile DNA haben, empfiehlt Dr. Stewart, sie nicht mit DNA-zerstörenden Medikamenten wie Melphalan (Alkeran) oder Cyclophosphamid (Cytoxan) zu behandeln.

Dr. Bart Barlogie sagte während seines Vortrages, dass er glaubt, dass Patienten mit niedrigem Risiko im weiteren Krankheitsverlauf auch Charakteristika entwickeln, die mit hohem Risiko verbunden sind. Nach Dr. Barlogie Meinung ist es deshalb wichtig, besser zu verstehen, wie man risikoreiche Patienten behandelt.

Im letzten Vortrag der Sitzung besprach Dr. Herman Einsele vom Universitätskrankenhaus Würzburg die Rolle der allogenen (Spender) Stammzelltransplantationen für risikoreiche Patienten. Obwohl diese Transplantationen heilend sein können, gibt es widersprüchliche Beweise, ob Spender-Transplantationen vorteilhaft sind. Mehrere Studien unterstützen den Gebrauch von Spender-Transplantationen für risikoreiche Patienten. Darüber hinaus sind die mit Spender-Transplantationen verbundenen Risiken reduziert worden, weil Forscher gelernt haben, mit diesen Risiken umzugehen. Deshalb glaubt Dr Einsele, dass Spender-Transplantationen als eine Option für risikoreiche Patienten in Betracht gezogen werden sollten.

Sollen schwelende, asymptomatische (smoldering) Myelome behandelt werden?

Die folgende Sitzung war eine Diskussion zwischen Dr. María-Victoria Mateos vom Universitätskrankenhaus Salamanca, und Dr. Sagar Lonial von der Universität von Emory, Atlanta. Thema der Diskussion war, ob einige oder alle Patienten mit asymptomatischem Myelom zu behandeln sind.

Dr. Mateos war der Meinung, dass einige der Myelompatienten mit asymptomatischem Myelom behandelt werden sollten. Dr. Lonial glaubt im Gegensatz dazu, dass die Ärzte bei der Behandlung dieser Patienten zurückhaltend sein sollten, sogar bei denjenigen, die das Risiko haben, zu einem aktivem Myelom fortzuschreiten.

In einer laufenden, spanischen Studie wird die Hälfte der risikoreichen Patienten mit asyptomatischem Myelom mit einem anfänglichen Zyklus von Revlimid und Dexamethason, gefolgt von einer Revlimid-Erhaltungstherapie behandelt. Die andere Hälfte wird nicht behandelt.

Dr. Mateos berichtete, dass bis jetzt 10 Prozent der Patienten, die die Behandlung erhalten haben, einen Krankheitsprogress hatten, im Vergleich zu 46 Prozent der Patienten, die nicht behandelt wurden. Die letzten Auswertungen zeigen auch, dass die Revlimid-Behandlung das Überleben signifikant verlängert.

Das Argument von Dr. Lonial ist, dass Myelompatienten, die keine Symptome ihrer Erkrankung haben, durch die Behandlung Nebenwirkungen haben werden und viele sich viel schlechter fühlen werden als ohne Behandlung. Er ist nicht völlig überzeugt, dass der kleine Überlebensvorteil, der in der Studie von Dr. Mateo gesehen wurde, die Verschlechterung in der Lebensqualität der behandelten Patienten wert ist.

Zur weiteren Prüfung der mit der Behandlung verbundenen Vorteile führt Dr. Lonial derzeit eine Studie durch, in der asymptomatische Patienten mit mittlerem und hohem Risiko mit Revlimid behandelt werden (ohne Dexamethason, welches viele unerwünschte Nebenwirkungen hat). Die Studie verfolgt dabei sorgfältig die Lebensqualität der Studienteilnehmer.

Bei der folgenden Diskussion wurden die Anwesenden sicher durch die spanischen Daten angeregt, bestimmte asymptomatische Patienten zu behandeln, aber es war nicht klar, ob sich die Behandlungsmethoden schnell ändern würden.

Ausführlichere Zusammenfassungen der Vorträge des heutigen Tages [1] sind im Forum [2] vom Myeloma Beacon zu finden (auf Englisch). Links zu den Zusammenfassungen (abstracts) einiger Vorträge sind im IMW Programm [3] zu finden. Myeloma Beacon wird regelmäßig vom IMW berichten, es werden sowohl für Tag 1 [4] als auch für Tag 3 [5] und Tag 4 [6] Zusammenfassungen zur Verfügung gestellt.


Article printed from The Myeloma Beacon: https://myelomabeacon.org

URL to article: https://myelomabeacon.org/deutsch/2011/05/05/imw-2011-multiple-myeloma-update-tag-2/

URLs in this post:

[1] Tages: https://myelomabeacon.org/forum/imw-2011-multiple-myeloma-discussion-day-2-t392.html

[2] Forum: https://myelomabeacon.org/forum/

[3] IMW Programm: http://www.myeloma-paris2011.com/content/view/15/10/

[4] Tag 1: https://myelomabeacon.org/deutsch/2011/05/04/imw-2011-multiples-myelom-update-tag-1/

[5] Tag 3: https://myelomabeacon.org/forum/imw-2011-multiple-myeloma-discussion-day-3-t393.html

[6] Tag 4: https://myelomabeacon.org/forum/imw-2011-multiple-myeloma-discussion-day-4-t394.html

Copyright © The Beacon Foundation for Health. All rights reserved.